Markus 9,14-29: Ich glaube, hilf meinem Unglauben

Christus Pantokrator. Künstler unbekannt, um 1900, Fenster im Altarraum, Antikglas/Blei/Schwarzlot

Christus Pantokrator. Künstler unbekannt, um 1900, Fenster im Altarraum, Antikglas/Blei/Schwarzlot

Als sie zu den anderen Jüngern zurückkamen, sah er eine große Menschenmenge um sie herum und Schriftgelehrte mit ihnen streiten. Und sofort, als die Menschen ihn sahen, liefen sie alle aufgeregt zu ihm, um ihn zu begrüßen. Jesus fragte sie: "Was streitet ihr mit ihnen?" Da antwortete ihm einer aus der Menge: "Meister, ich habe meinen Sohn zu ihnen gebracht; er hat einen stummen Geist, und wenn er ihn packt, durchschüttelt er ihn, er hat Schaum vor dem Mund und knirscht mit den Zähnen; und ich habe deinen Jüngern gesagt, dass sie ihn austreiben, aber sie konnten es nicht." Jesus antwortete ihnen: "O du ungläubiges Geschlecht! Wie lange muss ich noch bei euch sein? Wie lange muss ich euch noch ertragen? Bringt ihn her zu mir!" Und sie brachten ihn zu ihm. Als aber der Geist ihn sah: sofort riss er ihn hin und her, so dass er zu Boden fiel und sich schäumend hin und her wälzte. Jesus fragte den Vater: "Wie lange hat er das schon?" Der sagte: "Von Kind auf. Und häufig hat er ihn ins Feuer oder ins Wasser geworfen, um ihn zu töten. Aber wenn du kannst, erbarm dich unser und hilf uns!" Jesus erwiderte: "Wenn du kannst? Alles kann, wer glaubt!" Sofort rief der Vater: "Ich glaube, hilf meinem Unglauben!" Als Jesus sah, dass die Menge zusammenlief, drohte er dem unreinen Geist und sagte: "Du stummer und tauber Geist, ich befehle dir, fahr aus ihm heraus und kehr nie mehr zu ihm zurück!" Und der Geist schrie und riss ihn hin und her und fuhr aus. Der Junge aber war wie tot, so dass viele sagten: "Er ist gestorben!" Jesus aber fasste seine Hand und weckte ihn auf, und er stand auf. Zu Hause aber fragten ihn seine Jünger: "Warum konnten wir ihn nicht austreiben?" Jesus sagte ihnen: "Diese Art kann nicht ausgetrieben werden außer im Gebet."

 

Ein Streit droht zu eskalieren. Die Jünger sind umringt von Menschen. Laute Worte, scharfe Töne, bedrohliche Gesten. Da kommt Jesus hinzu. Als die Menschen ihn sehen, tritt ein Mann aus der Menge heraus auf ihn zu. In bewegenden Worten beschreibt er Jesus das Krankheitsbild seines Sohnes und die Hoffnung auf Heilung, die ihn zu den Jüngern getrieben hatte. Aber sie konnten dem Jungen nicht helfen. Was eigentlich können Jünger, wenn Jesus nicht da ist? "Offensichtlich gar nichts!", scheint es den Menschen, die um Jesus herumstehen, ärgerlich auf der Zunge zu liegen. "Die können es einfach nicht!" Und sie fangen wütend an, über die Jünger zu reden. Der Vater des Jungen aber ist tief enttäuscht. "Jesus, sie konnten nicht ... wenn du aber etwas kannst, dann hilf uns!" Sichersein hört sich anders an. Wenn ... falls du etwas kannst! "Alles ist möglich dem, der glaubt", sagt Jesus. Als das dem Vater des Jungen klar wird, stürzt ihn das in noch tiefere Verzweiflung. Soll sein Junge weiter leiden müssen, nur weil er in diesem Augenblick Jesus nicht mehr zutrauen kann, als er kann? Da bricht es aus dem Mann heraus: "Ich glaube! Ich will es zumindest. Und so bitte ich dich, Jesus, halt dich nicht mit meinem Unglauben auf. Hilf mir und meinem Jungen! Und erweise dich auch in meiner Unfähigkeit, dir zu vertrauen, als der, der barmherzig ist. Hilf mir glauben!" Daraufhin geschieht das Unfassbare. Jesus heilt den Jungen, ohne dass der Glaube des Vaters ein anderer geworden wäre. Ohne dass sein Zweifel ausgeräumt oder seine Fragen beantwortet worden wären. Das ist es, was diese Geschichte im Markusevangelium so ermutigend für all diejenigen machen kann, die - warum auch immer - durchs tiefe Tal des Zweifelns gehen. Weil sie ein Hoffnungsfunke für uns Schwache ist, die wir nicht immer einfach so glauben können. Weil in dieser Geschichte klar wird: Zweifeln ist nicht schlimm. Zweifeln ist nicht das Gegenstück zu "Glauben". Zweifeln gehört zum Glauben dazu.