Kirchen haben wie jedes Haus Wände, Dach, Fenster, Türen – und doch ist vieles anders und ein wenig geheimnisvoll! Jede Kirche hat ihre eigene Geschichte, ihre besonderen Kunstschätze und lädt die Besucher zu einer Entdeckungsreise ein.

Wer genau hinschaut, dem erzählt sie etwas über den Glauben und das Leben der Menschen zu der Zeit, in der sie geschaffen worden ist. Sie zeigt, wie viel Mut und Kunstfertigkeit dazugehörten, um so ein beeindruckendes Bau- und Kunstwerk zu schaffen. Vor allem aber können bestimmte Gegenstände und Bilder wie Brücken sein, um den eigenen Glauben besser zu verstehen. 

Bauwerke - Bauzeiten

Bei Bauwerken mit langer Bauzeit handelt es sich entweder um große Kirchen oder es gab Probleme beim Bau. Oder beides. Es ist davon auszugehen, dass Bauherren und Architekten ihre Werke gerne zu Lebzeiten fertigstellen, denn schließlich wollen sie ihr fertiges Produkt mit eigenen Augen bestaunen können. Sehr lange Bauzeiten sind also auf mitunter unvorhersehbare Probleme beim Bau zurückzuführen.  

Den Rekord für die längste Bauzeit – mal abgesehen von der Chinesischen Mauer – hält der Kölner Dom. Insgesamt waren es 632 Jahre. Der Baubeginn fällt ins 13. Jahrhundert (Grundsteinlegung 1248), die Fertigstellung ins Jahr 1880 – dazwischen gab es allerdings einen knapp 300-jährigen Baustopp.

Auch der Blue Tower in Warschau kann eine „rekordverdächtige“ Bauzeit aufweisen. 1965 begonnen, traten bereits zwei Jahre später Probleme mit dem Fundament auf und die Arbeiten wurden eingestellt. Im Warschauer Volksmund ging die Rede vom Fluch des Rabbis um, denn das Hochhaus wurde am Ort der gesprengten Großen Synagoge gebaut. Ab 1971 arbeitete man an einer modernisierten Version weiter, aber 1980 kam es zu einem erneuten Bauabbruch. Schließlich begann man ab 1986 die alte Fassade durch eine verspiegelte Glasfassade zu ersetzen und es gelang nach 26 Jahren die Fertigstellung im Jahr 1991.

Da ging es selbst mit dem Bau der Cheops – Pyramide etwas schneller: Nur ca. 20 Jahre Bauzeit werden geschätzt, knapp 6 Jahre mehr als beim Berliner Flughafen mit nur 14 Jahren Bauzeit. Der Suezkanal wurde nach 10 Jahren, die Elbphilharmonie in Hamburg nach 9 Jahren und der Haitian Center Tower 2 in China nach 5 Jahren fertiggestellt, bei den vier Letztgenannten trotz modernster Technik.

Der Beschluss zum Neubau der Evangelischen Kirche in Witten-Bommern erging im Mai 1892, die Grundsteinlegung erfolgte im August 1892. Zwischen Grundsteinlegung und Einweihung  am 15. November 1893 vergingen - sage und schreibe - nur 15 Monate. Im November 2018 feierte unsere Kirche (nach einer gründlichen Sanierung) ihr 125-jähriges Bestehen.

 

Taufbecken, Taufstein, Taufschale, Taufbrunnen

In jeder christlichen Kirche gibt es ein Taufbecken. Darin befindet sich bei Tauffeiern das Wasser, mit dem der Täufling drei Mal leicht übergossen oder beträufelt wird. In der Anfangszeit der Kirche wurden die Täuflinge nur in der Feier der Osternacht getauft, um das Sterben des alten Menschen und das Auferstehen des neuen mit Jesus Christus zu verdeutlichen.

Mit der Taufe wird der gläubige Christ in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen. Daher befand sich früher (aber auch heute noch vereinzelt) das Taufbecken im Eingangsbereich einer Kirche, in einer eigenen Taufkapelle oder insbesondere in der Frühzeit des Christentums in einem eigenen Bau, dem Baptisterium in dem sich ein von fließendem (»lebendigen«) Wasser gespeistes Becken befand.

(Erinnern Sie sich an die biblische Jahreslosung für 2018? "Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst", Offenbarung 21,6).

Taufbecken sind fast immer große Gefäße aus Stein, Holz mit Metalleisatz oder Vollmetall (Bronze etc.). In der frühen Kirche war die Taufe durch Untertauchen üblich, ebenso wie es heutzutage bei Baptisten und einigen anderen Freikirchen der Fall ist. Dafür benötigt man ein größeres Becken, in dem mindestens 2 erwachsene Personen Platz finden. Später wurde die Kindertaufe üblich. Ältere Taufbecken sind so groß, dass ein Kleinkind darin untergetaucht werden konnte. Sie wurden teils aus Stein gearbeitet, woraus sich der Name Taufstein ableitet. Später ging man in Westeuropa zur Taufe durch Übergießen oder Besprengen mit Wasser über. Dafür reichten dann kleinere Wasserschalen aus. Diese wurden entweder in eine Vertiefung des Taufsteins gestellt oder waren auch transportierbar, so dass sie bei Taufen im Geburtshaus mitgenommen werden konnten.

Übrigens: Der älteste Taufstein einer Wittener Kirche stammt aus der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gedächtniskirche. Er wurde 1892, gestiftet von einigen Gemeindemitgliedern, aufgestellt und konnte neben anderen Dingen aus den Trümmern gerettet werden. Seit 1999 steht er nun in der Johanniskirche unter der Orgelempore. Für die Ev. Kirche in Heven (Steinhügel) entwarf der Rüttenscheider Bildhauer Goldkuhle ein Taufbecken aus Holz, ein eher seltenes Material, das aber auch für das Taufbecken unserer Kirche auf dem Berg lange Jahre benutzt wurde.

Sachlich und modern präsentiert sich die gesamte Innengestaltung einschließlich des Taufbeckens der Wittener Martin Luther Kirche. Vor den Stufen des Altarraumes fast unauffällig, bei genauerem Hinsehen jedoch markant und beindruckend in seiner schlichten Gestaltung: ein Taufbecken aus Acrylglas.

Hier in der Ev. Kirche Bommern, liegt seit 2014 auf der Fläche vor dem Chorraum ein dicker, sandfarbener Teppich. In sieben Sprachen ist in einem großen Rund der Taufspruch eingewebt. „Denn siehe, ich bin bei Euch . . .“ In der Mitte dieses Kreises steht das neue Taufbecken. Das schwere, massive Prachtstück in der Form eines klassischen Taufsteins funkelt und glänzt, als wäre es auf purem Gold von einem armenischen Künstler geschaffen und von einem Bommeraner Geschäftsmann gespendet.

 

Kirchenfenster

Bleiglasfenster sind seit dem Hochmittelalter in Europa üblich. Zunächst wurde diese Technik nur für die Fenster der großen Kathedralen angewandt. Bleiglasfenster bilden ein wichtiges Merkmal der Gotik. Das Verfahren, eine größere Glasfläche aus kleinen Stücken zusammenzusetzen, begründet sich in der Schwierigkeit, flüssiges Glas in einer größeren Fläche so abzukühlen, dass es nicht reißt. Erst mit der Herstellung von Echtantikglas wurden auch größere Glasflächen möglich, durch Flachglas wurde dieses Problem ganz gelöst. So blieb den Glasmachern des Mittelalters nur der Weg, kleine Glasscheiben herzustellen und diese mittels Bleiruten zu verbinden und zu kitten. Durch die Verwendung unterschiedlich gefärbter Glasstücke schuf man auf diese Weise Bildfenster, die den scheinbaren Nachteil in eine eigene Kunstform umwandelten. Dabei bildet das technisch bedingte Gerüst der Bleiruten ein besonderes Gestaltungsmittel.

Für ausreichende Helligkeit in unserer Kirche in Bommern sorgen zahlreiche Fenster, davon 2 Fenster im Querschiff, 4 Fenster im Seitenschiff, 2 Fenster im Chorraum, 1 Fenster im Altarraum mit Christusfigur sowie 1 mehrteiliges Ornament über dem Eingangsportal. Weitere kleinere Fester sind auch in den Türmen vorhanden. Wer die Fenster der Kirche um 1890/1900 gestaltet hat, ist nicht bekannt.

Das farbige Glasfenster baut sich – wie oben beschrieben –  aus drei Komponenten auf: dem Glas als Träger der Farbe, der Einfassung aus Blei als dem die Stabilität gewährenden Gerüst des Fensters und der Bemalung. Die Malfarbe, das Schwarzlot, besteht zum größten Teil aus oxidiertem Eisen- oder Kupferpulver (Hammerschlag) und einem Schmelzmittel, zerstoßenem Bleiglas, das bei bereits niedrigen Temperaturen zu schmelzen beginnt, so dass sich die verflüssigte Malfarbe unlösbar mit dem erst erweichten Grundglas verbinden kann.

Kirchenfenster im Chorraum: Christus Pantokrator

Dieses Fenster ist ein dreibahniges Chorfenster mit  mehreren Dreipässen im Kopfbereich und einer zentralen Fensterrose. In der mittleren Bahn sehen wir Christus, die rechte Hand ist zum Segen mit dem Kreuzzeichen erhoben während er mit der linken Hand das Heilige Buch hält. Christus trägt einen goldenen Mantel mit einem roten Überwurf.

 

Altargemälde in der Ev. Kirche Witten-Bommern

Die gemeinsame Geschichte von Religion und Kunst ist überaus alt und mindestens genauso traditionsreich. Schon seit ewigen Zeiten halten Künstler sakrale Vorstellungen in Bildern, Fresken und Plastiken fest, um sie für ihre Generation und die Nachwelt zu verewigen. Religiösen Bildern kommt ebenso wie der Religion selbst eine große Bedeutung zu.

Adolf Gustav Döring malte um 1893 das Bild „Jesus geht auf dem Wasser“, das noch heute optisch den zentralen Mittelpunkt des Altars in der Bommeraner Kirche ausmacht.

Adolf Gustav Döring studierte an der Akademie der Künste in Berlin. Hier gehörten Carl Gustaf Hellqvist, Paul Meyerheim und Hans Meyer zu seinen Lehrern. Ab 1888 wurden seine Arbeiten auf den Großen Berliner Akademieausstellungen gezeigt. Er unternahm Reisen nach Afrika, Indien und Amerika. 1896 heiratete er Dorothea Douzette, die Tochter des Malers Louis Douzette, und verlegte den Wohnort in seine Geburtsstadt Barth. Das Paar lebte zeitweilig in der Villa Douzette. Döring verarbeitete dort die auf seinen Reisen gesammelten Motive. Beliebtes Sujet seines Schaffens war die Küstenlandschaft auf dem Darß und der Halbinsel Zingst. Mit seinem Schwiegervater arbeitete er zusammen; von dessen Gemälden schuf er Radierungen. Adolf Gustav Döring war von 1889 bis zu seinem Tod Mitglied des Vereins Berliner Künstler. In der Boddenstadt Barth wurde der Maler Gustav Adolf Döring 1938 zur letzten Ruhe gebettet – nach aufregenden Jahrzehnten als Maler.

Zum hier gezeigten Altarbild und seiner Entstehung werden folgende Geschichten erzählt:

„Maler Döring war ein Neffe von Frau Oberste Frielinghaus aus Witten, deren Familie das Bild auch stiftete. Sein Vater war Direktor der Kriegsakademie in Berlin, in deren Vestibül eine große breite Marmortreppe hinaufführte. Dieselbe fiel der Sohn als kleines Kind hinunter, verletzte sich das Rückgrat und blieb zeit seines Lebens behindert und musste sich auf zwei Krücken fortbewegte. Er fand seinen Beruf in der Malerei, studierte diese in allen vier Meisterklassen Tier-, Genre-, Porträt- und Landschaftsmalerei und sorgte mit einem Herren-Porträt auf der Akademie-Ausstellung 1888 für Aufsehen. Diese biblische Darstellung (für die Kirche in Witten-Bommern) freute ihn sehr, diese auszuführen. Er fuhr dafür extra zu seinem Studium an die See, ließ sich nachts und im Morgengrauen ans Meer fahren, um seine Skizzen zu machen. Hier fertigte er das Bild mit viel Liebe an……. Einen Schreckmoment gab es, als das Altargemälde aus Berlin 1893 in der Kirche eintraf. Es passte nicht in den äußeren Ausschnitt des Altaraufsatzes. Schreinermeister Küch fertigte einen dunkel gebeizten Rahmen an, in den nun das Bild genau passte.“

Jesus geht auf dem Wasser

......Und sofort befahl er den Jüngern, in ein Boot einzusteigen und ihm auf die andere Seite des Sees vorauszufahren während er die Menge verabschiedete. Als er die Menge verabschiedet hatte, stieg er auf einen Berg um alleine zu sein und zu beten. Er war noch dort allein, als es schon Abend geworden war. Das Schiff aber war sehr weit vom Ufer entfernt, als es von starkem Wellengang bedrängt wurde. Der Wird wehte ihnen nämlich entgegen. In der vierten Nachtwache kam er zu ihnen; er ging dabei auf dem See. Als seine Jünger ihn auf dem See gehend sahen, durchfuhr sie ein großer Schreck, denn sie dachten, dass er ein Gespenst sei. Und sie schrien vor Angst. Da sagte er zu ihnen: Habt keine Angst, ich bin es. Fürchtet euch nicht länger. Petrus aber antwortete ihm: Herr, wenn du es bist, befehle mir, zu dir auf dem Wasser zu gehen. Da sagte er: Komm! Und Petrus stieg aus dem Schiff aus, ging auf dem Wasser und kam zu Jesus. Als er aber den Wind sah, fürchtete er sich. Und er begann zu sinken und rief: Herr, rette mich! Da streckte Jesus seine Hand aus und ergriff ihn. Er sagte zu ihm: Warum hast du so schwaches Vertrauen, warum zweifelst du? Und als sie in das Boot einstiegen, lies der Sturm nach. Die aber im Boot waren, warfen sich vor ihm nieder und sagten: Du bist tatsächlich Gottes Sohn!......

Aus dem Matthäusevangelium Mt 14,22–36

 

Glocken als Zeugen der Geschichte

Als noch nicht jeder eine Uhr hatte, riefen Glocken in Europa 1000 Jahre lang zur Arbeit, zum Feierabend und zum Gebet auf. Die Glocken in den Türmen der Kirchen und Rathäuser, in den Glockenstühlen der Friedhöfe und Gedenkstätten gelten daher als hör- und sichtbare Symbole eines europäischen Wertefundaments. Der Klang ist interkulturell, braucht keinen Text und keine Sprache: Ob Kirchenglocke, buddhistische Tempelglocke oder Shinto-Schrein-Glocke - sie alle stehen für Feierlichkeit, Zeitmarkierung, Transzendenz und die Sehnsucht nach Frieden. Glocken sind zugleich Zeugen und Gegenstand einer bewegten Geschichte. Sie verkündeten Krieg und Frieden - und wurden zweckentfremdet oder instrumentalisiert. Im Zuge von Kriegen wurden sie immer wieder eingeschmolzen und zu Waffen verarbeitet.

Glocken als Rufer zum Gottesdienst

Jede Kirchenglocke erzählt eine Geschichte: über ihre Herstellung, den Glockengießer, das Jahr des Gusses und ein religiöses Thema. Seit Jahrhunderten rufen die Glocken in den Kirchen zum Gottesdienst und zum Gebet. Sie läuten zu freudigen und traurigen Anlässen, zu Taufen, Trauungen und Beerdigungen und begleiten somit den Lebenslauf der Gemeindeglieder. Sie sind ein öffentlich hörbares, identitätsstiftendes Bindeglied zwischen den Kirchgemeinden. Und wie keine Glocke der anderen gleicht, so gleicht kein Geläut dem anderen. Es sind je eigene Klangstärken, Klangfarben und Klangmischungen, die der Glockenlandschaft ihr eigenes Gepräge geben. Jede Glocke ist im Grunde ein Unikat und eine „Persönlichkeit“ mit Namen, Gesicht (Zier) und Klang.

Glocken waren jedoch nicht immer die Rufer zum Gottesdienst. In frühchristlicher Zeit galten Glocken als heidnisch. Um die Gläubigen zum Gottesdienst oder Gebet zu rufen, verwendete man in frühchristlicher Zeit Trompeten, Klappern, Knarren oder Schallbretter. Im 4. Jahrhundert tritt die Glocke ihren Siegeszug an.

Als es noch kein Radio und Smartphone gab, orientierte man sich ohnehin noch mehr an den Glocken, denn diese waren weithin zu hören: Zum Beispiel bei der Arbeit auf dem Feld. Ab dem 12. Jahrhundert warnten die Glocken vor Hochwasser und Feuer. Drohende Unwetter wurden durch das „Wetterläuten" angekündigt. Vor Gewittern wird heute im Wetterbericht gewarnt, zum Gebet aber rufen die Glocken auch heute noch. So wird in unserer Kirche morgens, mittags und abends geläutet. Um 7 Uhr ruft die Betglocke zum Morgengebet, um 12 Uhr erklingt sie abermals und um 19 Uhr wird dann auch schon das Nachtgebet angemahnt.

1925 beschreibt Andreas Heinrich Blesken (geb. 09.08.1874 in Ampen bei Soest; gest. 14.11.1959 in Bommern), deutscher Lehrer, westfälischer Autor und Heimatforscher die Aufgaben der „Glocke“ wie folgt:

„Kiärkenglocken hett us ümmer wat te seggen:
Muorgens: Goah an diene Abeet, owwer pack se op de richtige Art un Wiese an.
Middags: Mak en Ogenblick Pouse in all diem Wullaken.
Oawends: Fieroawend! Hör op! Et es genaug, dat jeder Dag sine eegene Plaoge hiät.
Sunndag: Loat de schwoare Abeet liegen, hal di Maut tau diener niggen, wost du Kraft tau dienem Wiärke? Gaoh un seik se in de Kiärke“.

Kirche Bommern: Erste Glockenbestellung 1893

Die Gemeinde Bommern ließ 1893 bei der in Witten ansässigen Glockengießerei Carl Munte drei Bronzeglocken gießen. In der Rechnung dieser Firma heißt es:

"8. September 1893, Ein neues Geläute, bestehend aus drei Glocken aus Bronze mit den Tönen d, f, a nach der alten Wiener Kammerstimmung im Gesamtgewicht netto 2406 1/2 kg zum Preise von 4.937,68 RM."

Die Glocken wurden von der Gemeinde beanstandet, und es kam zu einer Prüfung durch den Musikdirektor Hoffmann am 09. Dezember 1893. Dieser stellte fest, dass die Glocken statt auf d, f, a auf as, e, gis gestimmt seien. Nach einigen Nachbesserungen gab sich die Gemeinde zufrieden. Die Glocken trugen folgende Inschriften:

  • Große Glocke:
    „Luk. 2,14: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen! 1893“
  • Mittlere Glocke:
    „Luk. 11,28: Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. 1893“
  • Kleine Glocke:
    „Matth. 7,7: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. 1893“

Ausbau von Kirchenglocken 1917 (repro: wp)

Abschied 1917

24 Jahre riefen diese Glocken die Gemeinde, dann mussten sie auf Anordnung des Reichsmilitärfiskus vom 28. Juni 1917 zur Kriegsproduktion abgegeben werden.

„Alle Bronzeglocken sind beschlagnahmt und in das Eigentum des Reichsmilitärfiskus übergegangen. Die Glocken sind von den Bauwerken zu entfernen und an eine Sammelstelle abzuliefern.“

Die kleine Glocke durfte bleiben und versah nun allein die Aufgaben der anderen beiden mit. Am 08. Juli 1917 wurde in der Kirche eine Abschiedsfeier für die Glocken gehalten. Über die Abgabe berichtet Lehrer Lindemann in der Kriegschronik der Schule Bommern:

Eintragung vom 14. Juli 1917: "Wie so viele Gemeinden, musste auch unsere Evangelische Kirchengemeinde in diesem Krieg von ihren drei Glocken zwei (die große und mittlere) für das Wohl des Vaterlandes abgeben. Nach vielen Mühen, welche der Abbau der 28 und 18 Zentner schweren beiden Glocken verursachte, standen dieselben am Abend des 13. Juni vor der Kirche auf einem Wagen zum Abholen bereit. Am heutigen Morgen wurden sie unter dem Geläute der der Gemeinde verbliebenen kleinen Glocke zur Bahn gebracht, um nach Köln transportiert zu werden. Wehmütigen Blickes sah man den scheidenden Glocken, die liebende Hände bekränzt hatten, nach. Hatten sie doch so manchmal zum Gotteshause gerufen, schon so vielen müden Pilgern zur letzten Ruhe geläutet, schon so manchen herrlichen Sieg deutscher Waffen verkündet. Vielen, besonders aber dem Herrn Pfarrer unserer Gemeinde, wird der Abschied schwer geworden sein. Aber das Vaterland ruft, und da wird dieser Schmerz überwunden."

Zu der Abgabe der Kirchenglocken aus Bommern schreibt Pfarrer Philipps (1887 – 1921 Pfarrer in Bommern) an seinen Sohn:

"Meine Gemeinde hat den Ruf der Glocken jahrelang nicht beachtet und den Gottesdienst gemieden, darum hat uns Gott der Herr die Glocken genommen."

(Als Zeitdokumente sind beide Ausführungen im Originaltext übernommen.) 

Die kleine Bronzeglocke

Die kleine Bronzeglocke, die nicht als Kriegsmaterial abgeliefert worden war, wurde Ende Dezember 1924 an die Evangelische Luthergemeinde in Hamm verkauft:

Die ev. Lutherkirche in Hamm wurde 1734 - 1739 errichtet. 1740 und 1749 erhielt die Kirche dann je eine Glocke, gegossen von Johann bzw. Fridericus Schweys zu Münster. Beide wurden im Ersten Weltkrieg vernichtet. Nach dem Krieg erhielt die Kirche die dritte, 1780 gegossene Glocke der Pauluskirche. Zu ihr trat im Jahre 1924 die von der Gemeinde Witten-Bommern angekaufte Bronzeglocke. Sie war die letzte Glocke eines im Jahre 1893 von der Wittener Glockengießerei Munte für die dortige Kirche gelieferten Geläutes. Leider fiel sie dem zweiten Weltkrieg zum Opfer. Nach dem Krieg wurde sie durch eine neue Glocke ersetzt, gegossen von der Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock aus Gescher.

Glocken vom Bochumer Verein

Gussstahlglocken waren zunächst eine fortschrittliche Erfindung des 19. Jahrhunderts. Nach den beiden Weltkriegen waren sie meist willkommener und preisgünstiger Ersatz für in den Weltkriegen zu Kriegszwecken beschlagnahmte Bronzeglocken. Stahlglocken besitzen größtenteils als Aufhängung nur eine simple Tellerkrone. Zier- und Inschriften wurden nicht eingegossen, sondern nachträglich aufgeschweißt.

Die bedeutendste Gießerei für Gussstahlglocken und zugleich produktivste Glockengießerei weltweit war der Bochumer Verein in Bochum. Von 1851 bis 1970 wurden dort in industriellem Rahmen etwa 38.000 Glocken aus Gussstahl gegossen, davon etwa 18.000 Kirchenglocken und etwa 20.000 Signalglocken. Die Glocken wurden in alle Welt exportiert, darunter so exponierte Exemplare wie die Friedensglocke von Hiroshima. Nachdem die größten Glockenverluste des Zweiten Weltkrieges bis Ende der 1960er Jahre behoben waren und die Nachfrage nach Gussstahlglocken erheblich zurückging, ließ der damalige Eigentümer Krupp die Produktion im Jahr 1970 einstellen.

Eine der größten und zugleich ältesten Gussstahlglocken des „Bochumer Vereins“ hängt heute nicht läutbar als Denkmal vor dem Bochumer Rathaus. Sie wiegt etwa 15.000 kg und hat einen unteren Durchmesser von 313 cm. Sie wurde 1867 für die Pariser Weltausstellung gegossen.

Die Petersglocke (im Volksmund: Dicker Pitter) ist die Glocke 1 des Kölner Domgeläuts. Sie wurde 1923 von Glockengießermeister Heinrich Ulrich (1876–1924) in Apolda gegossen und ist im Glockenstuhl des Südturmes aufgehängt. Mit einem Gewicht von rund 24.000 kg (Klöppel: ≈ 600 kg) und einem Durchmesser von 322 cm war sie bis November 2016 die größte am geraden Joch schwingend läutende Glocke der Welt. Im November 2016 goss die österreichische Glockengießerei Grassmayr eine noch schwerere Glocke (25.190 kg, Durchmesser: 335 cm) für die Kathedrale der Erlösung des Volkes in Bukarest.

Da sind die Glocken unserer Kirche mit rund 1.000 - 2.000 kg doch eher in der "Klasse der leichteren Fliegengewichte" zu finden.

Glockenbestellung Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation (BVG) 1924 (repro: wp)

1924: Neue Glocken für die Ev. Kirche in Bommern

Erst 1924 bekam die Gemeinde Bommern neue Glocken. Auch sie bestellte die Glocken beim Bochumer Verein für Bergbau und Gußsstahlfabrikation (BVG).

Diese Gussstahlglocken wurden vor der Lieferung einer eingehenden Prüfung unterzogen. Der Schlusssatz des Gutachters an Pastor Herbers lautete am 15.12.1924:

"Alles in allem: Die Glocken sind vorzüglich gelungen und ohne jedes Bedenken zur Abnahme zu empfehlen."

Am 20.12.1924 gelangten die Glocken zur Auslieferung. In der Versandanzeige des Bochumer Vereins heißt es:

" Eine Glocke von 1673 mm Durchmesser 1876 kg, eine Glocke von 1430 mm Durchmesser 1022 kg, eine Glocke von 1333 mm Durchmesser 966 kg, zum Preise von 6.586 RM."

Diese auch heute noch im Dienst stehenden Glocken wurden auf c, es, f gestimmt. Die Inschriften der Glocken lauten:

  • Große Glocke:
    Vorderseite: „Ein feste Burg ist unser Gott.“
    Rückseite: „Unter dem Druck der drängenden Not war Stahl für Erz der Stunde Gebot.“
  • Mittlere Glocke:
    „Das Wort sie sollen lassen stahn.“
  • Kleine Glocke:
    "Das Reich muss uns doch bleiben.“

Am ersten Weihnachtstag 1924 riefen die neuen Glocken erstmalig zum Gottesdienst.


1924 schreibt ein Konfirmand der Gemeinde Bommern: (im Originaltext übernommen)

 

 

Kanzel

Eine Kanzel ist ein erhöhtes und meist künstlerisch ausgestaltetes Rednerpult aus Holz oder Stein in einem Kirchengebäude, von dem aus die Predigt gehalten wird, vielfach auch „Predigtstuhl” genannt.

 

Einzug in die Kirchengebäude hielt die Kanzel erst im Mittelalter. So genannte „Predigerorden“ – Dominikaner und Prämonstratenser zum Beispiel – hatten es sich zur Aufgabe gemacht, die Gläubigen vor den Irrlehren der Zeit zu warnen und sie im christlichen Glauben zu bestärken. Sie zogen mit tragbaren Holzgestellen, die man variabel aufstellen konnte, aus dem öffentlichen Raum in die Kirchen hinein. In der Reformation wurde die Kanzel dann geradezu zum Markenzeichen des Protestantismus. Die Predigt gewann im Gottesdienst an Bedeutung und wurde zu dessen Mitte: Hier wurde der Gemeinde die neue Lehre von der Rechtfertigung allein aus Gnade entfaltet und das Evangelium so buchstabiert, dass es auch im Alltag gelebt werden konnte.

Eine Kanzel findet man auch heute noch in (fast) jeder Kirche. In Zeiten ohne Mikrofon waren sie wichtig, damit man den Prediger gut sehen und vor allem verstehen konnte. Heute, in Zeiten elektronischer Verstärker, haben sie so einiges an ihrer Beliebtheit eingebüßt. Stattdessen werden vielfach Pulte oder Ambos verwendet, letztere z.B. in der römisch-katholische Kirche, die sich im Zweiten Vatikanischen Konzil dafür ausgesprochen hat, der Predigt keinen „Nebenschauplatz” innerhalb der Messe mehr zu lassen, sondern sie auch visuell in das Geschehen am Altar einzubinden. In katholischen Kirchen bleibt die Kanzel seitdem in der Regel leer, und allein der „Ambo“ tritt an ihre Stelle.

Die Stellung der Kanzel im Raum wurde unterschiedlich gehandhabt; akustische Gründe können den Ausschlag gegeben haben, aber auch gegebenenfalls das künstlerische Gesamtkonzept. Die Positionierung der Kanzel der Evangelischen Kirche in Bommern erfolgte streng nach einem Vorschriftenkatalog des Eisenacher Regulativs von 1861, einem Katalog zur Gestaltung protestantischer Kirchen. Dieses Regulativ wurde auf der Eisenacher Kirchenkonferenz vom 30. Mai bis 5. Juni 1861 unter der Beteiligung und Mitsprache von namhaften Bauräten beschlossen. In 16 Vorschriften wurden in diesem Regulativ in Anlehnung an mittelalterliche Baustile empfohlen, z. B. eine Ostung der Kirche sowie ein kreuzförmiger Grundriss mit ausgeprägtem Langhaus. (Da von vorhandenen Kirchen keine Umgestaltung verlangt wurde, konnte das historisch gewachsene Gesamtbild dieser Kirchen erhalten bleiben).

Die Vorschriften des Eisenacher Regulativs blieben noch bis 1908, rund 15 Jahre nach Fertigstellung unserer Kirche, wirksam. Zur Aufstellung einer Kanzel wird darin folgende Empfehlung gegeben:

„Die Kanzel darf weder vor, noch hinter oder über dem Altar, noch überhaupt im Chore stehen. Ihre richtige Stellung ist da, wo Chor und Schiff zusammenstoßen, an einem Pfeiler des Chorbogens nach außen (dem Schiffe zu); in mehrschiffigen großen Kirchen an einem der östlicheren Pfeiler des Mittelschiffs."

Der achteckige Kanzelkorb der Ev. Kirche Bommern ist aus Holz angefertigt. Die einzelnen Flächen des Achtecks sind mit Pflanzenmotiven wie Weinreben, Akanthus und Disteln verziert. Besonders aufwendig gestaltet ist die Kanzelhaube mit neogotischen Fenster- und Turmelementen. Die Position der sprechenden Person etwa auf halber Raumhöhe in Verbindung mit dem Schalldeckel über ihr und einer Wand hinter ihr ermöglicht ohne technische Hilfsmittel eine gute Verständlichkeit. Trotzdem wurde auch die Kanzel bei der letzten großen Kirchenrenovierung mit einer guten Akustik-Anlage ausgestattet.

 

Orgel

Die "größte vollständig spielbare Orgel der Welt" steht nicht – wie man vermuten könnte –  in einer Kirche, sondern im Kaufhaus Wanamaker in Philadelphia, USA.

Sie hat einen 6-manualigen Spieltisch, über den der Spieler den Überblick über 28.500 Pfeifen in 451 Registern zu behalten sucht. Der Prospekt geht über sechs Kaufhausstockwerke, dazu kommt im siebten Stock eine eigene Echoorgel sowie ein Turmglockenspiel. Die Orgel läuft mit sieben Windmaschinen und insgesamt 168 PS. Die kleinste Pfeife ist einen halben Zentimeter lang, ihre größte Schwester ist so geräumig, dass sie von einem ausgewachsenen Shetlandpony mühelos durchquert werden könnte. (Noch größer ist zwar die Boardwalk Hall Auditorium Organ in Atlantic City; diese ist derzeit allerdings nur teilweise spielbar.)

Die Orgel gilt als Königin der Instrumente und ist das größte aller Musik-Instrumente, das tiefste und höchste, das lauteste und leiseste. Seit 2017 sind Orgelmusik und Orgelbau durch die UNESCO als Immaterielles Kulturerbe anerkannt. Allein in Deutschland gibt es etwa 50.000 Orgeln. Für das Jahr 2021 ist die Orgel von den Landesmusikräten zum "Instrument des Jahres" gekürt worden. Die Orgel ist kein Instrument, sie ist ein ganzes Orchester. Helle Flöten, scharfe Krummhörner, Trompeten und Posaunen, Streicher und Zimbeln erklingen gemeinsam, wenn der Organist/die Organistin die Register zieht.

Traditionell wird für den Bau einer Orgel hauptsächlich der Werkstoff Holz verwendet. Aus Holz werden das Gehäuse, die Windladen, die Tasten und ein Teil der Pfeifen gefertigt. Bei Instrumenten mit einer mechanischen Steuerung (Traktur) findet Holz oft auch für die Mechanik-Teile Verwendung. Für die Metallpfeifen kommen meist Zinn-Blei-Legierungen zum Einsatz (sogenanntes Orgelmetall), seit dem 19. Jahrhundert auch Zink und im 20. Jahrhundert Kupfer (vereinzelt auch Porzellan, Plexiglas und andere Kunststoffe). Für die Beläge der Klaviatur werden Rinderknochen (selten Elfenbein) sowie verschiedene Hölzer (Ebenholz, geschwärzter Birnbaum, Grenadill, ein tief dunkelbraunes bis fast schwarzes Hartholz der Palisander-Familie mit feiner schwarz-violetter Zeichnung) verwendet.

Die erste Orgel der Bommeraner Kirche wurde gebaut im Jahre 1893 von der Firma Ernst Seifert, Köln. Sie hatte 17 Register und Membranladen, die von einer pneumatischen Traktur angesteuert wurden. Im Jahre 1931 überholte die Firma Walcker, Ludwigsburg, das Instrument, welches dann in den Turm gesetzt und elektrifiziert wurde. Dabei wurde der Spieltisch seitlich aufgestellt. In den 50er Jahren stellte sich heraus, dass dieses Instrument den Anforderungen nicht mehr gerecht wurde. Nach längerer Planungs- und Ansparungszeit konnte schließlich am 12. November 1978 die neue Orgel in den Dienst gestellt werden. Die Firma Schwelmer Orgelbau, Jürgen Dahlbüdding KG, konnte das aus Eichenholz gefertigte Gehäuse weiterhin verwenden, sodass also das jetzige Bild der Orgel dem des Jahres 1893 entspricht. Der neue Spielschrank liegt wieder in der Prospektmitte und wurde dem Gehäuse angepasst, die gesamte Orgel musste etwas aus dem Turm hervorgezogen werden. Das Klangbild des neuen Instrumentes sollte weich und verschmelzungsfähig sein, großer Wert wurde gelegt auf eine vielseitige Verwendung des Instruments. Neben polyphoner Musik sollten auch romantische Werke möglichst stilgerecht interpretiert werden können. Diese Forderungen versuchte man zu erfüllen durch Auswahl der Register, Mensuren und entsprechender Intonation. Das Schwellwerk wurde sehr hoch gelegt und etwas zurückgesetzt und unterstützt wesentlich diese Bemühungen.

Blick hinter die Kulissen

 

Eine alte Tradition neu belebt: Das Hungertuch

Die Bibel der Armen:

Die Hungertuch-Idee entstammt einem alten, kirchlichen Brauch, der bis vor das Jahr 1000 n. Chr. zurückgeht. Die Tücher zeigten Bildmotive aus der Heilsgeschichte des Alten und Neuen Testaments. Einerseits verdeckten sie das heilige Geschehen am Altar, andererseits erzählten sie die biblischen Geschichten von der Schöpfung bis zur Wiederkunft Christi und stellten so als »Armenbibel« der des Lesens meist unkundigen Gemeinde die Heilsgeschichte in Bildern vor Augen.

Eine alte Tradition neu belebt:

Das bischöfliche Hilfswerk MISEREOR hat 1976 die Tradition der Hungertücher wieder aufgegriffen und ihr eine weltweite Resonanz verschafft. Alle zwei Jahre wird ein neues Bild von engagierten KünstlerInnen aus Afrika, Lateinamerika und Asien gestaltet und ermöglicht Einsichten in das Leben und den Glauben von Menschen uns fremder Kulturen. Die modernen Bilder laden, ganz in der Tradition der mittelalterlichen Tücher, zur Betrachtung des Leidens Christi ein. Neu daran ist, dass eine Verbindung mit dem Hunger und der Armut, aber auch dem kulturellen und spirituellen Reichtum der Menschen in den Ländern des Südens hergestellt wird.

„Unser“ Hungertuch von Jacques Chéry aus Haiti, gefertigt 1982, wird im Gemeindehaus am Bodenborn ausgestellt.

Jacques Chéry wurde 1928 in Cap Haitien/Haiti geboren und lebt seit den 60er Jahren in der Hauptstadt Port-au-Prince. Ehe er in der Lage war, sich und seine Familie durch seine Kunst zu ernähren, arbeitete er unter anderem als Friseur und als Tankwart. Mit 17 Jahren besuchte er für ein Jahr die Schule »Centre d‘Art« in Cap Haitien. Er zählt in Haiti zu den bekanntesten »primitiven« Künstlern, deren optimistische und ausdrucksstarke Kunst in der Frische ihrer Bilder und ihrem außergewöhnlichen Sinn für Formen und Farben begründet ist.

In der oberen Ebene sehen wir Bilder der Hoffnung, der neuen Schöpfung und der uns allen verheißenen Tischgemeinschaft. – Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung kennzeichnen in der Nachtfolge Jesu die Ausrichtung MISEREORs.

Die linke senkrechte Bildfolge zeigt Jesus als den neuen Adam (Mitte), der die Versuchung in der Wüste bestanden hat (Mk 1, 13) und im Frieden mit den wilden Tieren lebt. In dieser Überwindung erweist er sich als der »Menschensohn« (Mk 9, 9). Der Künstler malt die Versuchung zu Reichtum, Vergnügen und Macht in bildhaftsymbolischer Art: Die Versuchung Jesu wiederholt sich in unserem Leben.

Mit den Zehn Geboten verweist der Künstler auf den Bund zwischen Gott und Israel. Er bringt sie mit den Menschenrechten, die oft genug mit Füßen getreten werden, in Verbindung. Die »Sintflut« (unten) als Bedrohung des Menschen ist nicht zu Ende. Konkret wird das Recht des Menschen auf Heimat missachtet. Jesus ist mitten unter den Heimatlosen.

Die mittlere senkrechte Bildfolge zeigt Jesus gleich der Schlange, die Mose in der Wüste erhöht hat (Joh 3, 14-21), am Kreuz hängend. Der Künstler hat einen Kreuzesbaum gemalt, dessen Wurzeln tief in das Dunkel der »Sintflut« reichen. Dazwischen keimen die Samen als Zeichen der Hoffnung. Der Künstler bringt das Leiden und Opfer Christi in Verbindung mit der Szene im Halbdunkel des Wurzelwerkes. Es ist derselbe Christus, der am Kreuz hängt, der im Boot der Flüchtlinge sitzt, der unter den Knüppeln der Soldaten zusammengebrochen ist.

Der siebenfarbige Regenbogen umspannt das Gesamtbild. Das dunkle Blau wiederholt sich im Wasser der Sintflut. Dieser Regenbogen ist Zeichen für das „Ja“ Gottes zum Leben des Menschen und zur ganzen Schöpfung: die Erde ist Wohnraum für alle Menschen (Gen 9, 8-15).

Die rechte senkrechte Bildfolge zeigt die Menschen, die in die Gefangenschaft nach Babel geführt wurden (2 Chr 36, 14-16). Die einen sitzen am Fluss und weinen; die Mehrheit arbeitet an einem turmartigen Berg, der aus dem Wasser ragt. Sie versuchen den Gipfel zu erreichen und benutzen dabei rücksichtslos ihre Mitmenschen als Trittbretter. Jesus protestiert gegen den Tempelmarkt (Joh 2, 13-22). Er weist im Bild der Tempelreinigung auf die Tischgemeinschaft, zu der sich Menschen aller Rassen versammelt haben: sie ist Maßstab für jede brüderliche  und schwesterliche Gemeinschaft.

Gottesdienst "Open Air" am Fabricius-Gedenkstein

Es war eine finstere Epoche. Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) begann als Religionskrieg zwischen Katholiken und Protestanten und war auch ein Konflikt um die politische Vorherrschaft in Europa. Kriegszüge, Plünderungen, Hungersnöte und Seuchen verheerten und entvölkerten weite Teile Deutschlands.

In Bommern (hinter dem evangelischen Friedhof) steht an der Straße „Im Brahm“ ein Denkmal für einen Mann, der in dieser schweren Zeit eine herausragende Rolle gespielt hat.

Er war einer der bedeutendsten Pfarrer in Wengern, Johannes Schmidt, genannt Fabricius, ein Sohn des ersten evangelischen Kirchmeisters von Wengern. lm Jahre 1612 wohnte er mit seinem Vikar Schlurdenius der ersten lutherischen Synode der Grafschaft Mark in Unna bei. Er unterschrieb dort als erster Pfarrer Wengerns die folgende Verpflichtung:

„In diesen und anderen Hauptpunkten der christlichen Religion fühle, lehre und bekenne ich mit den aufrichtigen und der unveränderten Augsburgischen Confession ergebenen Theologen, und fliehe und weise zurück alle der göttlichen Schrift und obengenannten Symbolen und Bekenntnissen entgegenstehenden Meinungen als falsch und irrig, was ich durch diese meine Schrift und Unterschrift bezeuge und verspreche, in diesem Glauben und Bekenntnis durch Gottes Gnade bis zum letzten Hauche meines Lebens zu verharren.“

lm Jahre 1629 wurde Pastor Fabricius durch den Jesuiten Boos im Auftrage seines katholischen Landesherrn empfohlen, sofort das Predigen einzustellen und nachzuweisen, wie die Evangelischen zu der Kirche gekommen seien, wer den Pastor gewählt und wer ihn bestätigt habe. Ziel der Aktion war die Besetzung der evangelischen Pfarrstelle mit einem katholischen Pfarrer. Pastor Fabricius behielt allerdings sein Amt.

Witten lag an einer wichtigen Straße, so dass die Stadt immer wieder von verschiedenen Heeren besetzt wurde. Die Söldner kamen aus anderen Teilen Deutschlands und Europas. Besonders die Menschen in den Vororten und den verstreut liegenden Bauernhöfen hatten unter der mordenden und brandschatzenden Soldateska zu leiden.

Als der Krieg allmählich aufhörte, ein Glaubenskrieg zu sein, belagerten im Jahre 1635 die protestantischen Schweden zehn Tage lang die Stadt. Nach der Zwangserhebung von Geldbeträgen war Witten völlig verarmt – historische Quellen künden vom Elend, das der Krieg über die Bevölkerung gebracht hatte. Hier ist von den »erschöpften und abgebrannten Einwohnern« die Rede. Besonders die prekäre Situation der Menschen in Bommern ist gut dokumentiert. Etliche Künstler und Literaten haben die Not der Menschen in der Zeit dieses Krieges in ihren Werken verarbeitet. Der Dichter Julius Sturm schreibt:

»Da sah’s im Dorf gar übel aus /
die Scheuern leer, kein Brot im Haus; /
Im Stalle weder Pferd noch Kuh, /
und vor dem Feind die Furcht dazu«.
  

Schon ein Jahr zuvor, 1634, so berichtet v. Sternen, gab es einen Überfall durch einen wütenden Haufen lothringischen Kriegsvolkes:

„lm Jahre 1634 kam eine Partei räuberischer Soldaten in die Gemeinde und unter anderem auch vor das damalige Pfarrhaus. Weil nun dasselbe ein von Steinen aufgeführtes festes Gebäude und vor kleinen Anfällen sicher war, hatte sich der Pastor mit den Seinigen verriegelt und den Entschluss gefasst, durch einen gütigen Vertrag von ferneren Anfällen abzuhalten und zum Abzug zu bewegen. Wie aber der jüngere Magister Henrich Fabricius, um besagten Vertrag zu treffen, aus dem Fenster reden wollten, wurde er zum größten Leidwesen des Vaters und der Gemeinde von einem solchen Barbaren am 15. August erschossen, am 20. in der Kirche auf dem Chor begraben.“

Vater, Johannes Fabricius, Vorgänger im Amt, übernahm daraufhin nochmals im Alter von bereits 89 Jahren den Pfarrdienst in der Gemeinde Wengern-Bommern. lm Jahre 1636 brach in Wengern die Pest aus. Die Bewohner Bommerns wagten aus Furcht vor einer möglichen Ansteckung den sonntäglichen Kirchgang nicht. Da ging der damals 91jährige Seelsorger Sonntag für Sonntag in das Tal der Deipenbecke und verkündete unter freiem Himmel das Wort Gottes. Die Pest kam trotz der Vorsichtsmaßnahme nach Bommern, aber Pfarrer Fabricius wurde im Jahre 1843 am 300. Jahrestag der Einführung der Reformation mit Recht in dem Deipenbecketal ein Gedenkstein gesetzt. Im Laufe der Zeit geriet der „Fabriciusstein“ jedoch in Vergessenheit und versank allmählich im weichen Boden des Deipenbecker Tals. 1921 legten ihn die Lehrer Karl Siepmann und Andreas H. Blesken mit ihren Schülern anlässlich eines Wandertages wieder frei.

Dort findet seit 1925 alljährlich im Sommer ein gemeinsamer Gedenkgottesdienst der beiden Gemeinden Bommern und Wengern statt.

Ein Vers aus dem Alten Testament steht in großen Lettern auf der Mauer:
»Gedenket an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben. Ihr Ende schauet an und folget ihrem Glauben nach«.

...wird fortgesetzt!

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125 Kirche Bommern - ein Rückblick

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