Kirchen haben wie jedes Haus Wände, Dach, Fenster, Türen – und doch ist vieles anders und ein wenig geheimnisvoll! Jede Kirche hat ihre eigene Geschichte, ihre besonderen Kunstschätze und lädt die Besucher zu einer Entdeckungsreise ein.

Wer genau hinschaut, dem erzählt sie etwas über den Glauben und das Leben der Menschen zu der Zeit, in der sie geschaffen worden ist. Sie zeigt, wie viel Mut und Kunstfertigkeit dazugehörten, um so ein beeindruckendes Bau- und Kunstwerk zu schaffen. Vor allem aber können bestimmte Gegenstände und Bilder wie Brücken sein, um den eigenen Glauben besser zu verstehen. 

Bauwerke - Bauzeiten

Bei Bauwerken mit langer Bauzeit handelt es sich entweder um große Kirchen oder es gab Probleme beim Bau. Oder beides. Es ist davon auszugehen, dass Bauherren und Architekten ihre Werke gerne zu Lebzeiten fertigstellen, denn schließlich wollen sie ihr fertiges Produkt mit eigenen Augen bestaunen können. Sehr lange Bauzeiten sind also auf mitunter unvorhersehbare Probleme beim Bau zurückzuführen.  

Den Rekord für die längste Bauzeit – mal abgesehen von der Chinesischen Mauer – hält der Kölner Dom. Insgesamt waren es 632 Jahre. Der Baubeginn fällt ins 13. Jahrhundert (Grundsteinlegung 1248), die Fertigstellung ins Jahr 1880 – dazwischen gab es allerdings einen knapp 300-jährigen Baustopp.

Auch der Blue Tower in Warschau kann eine „rekordverdächtige“ Bauzeit aufweisen. 1965 begonnen, traten bereits zwei Jahre später Probleme mit dem Fundament auf und die Arbeiten wurden eingestellt. Im Warschauer Volksmund ging die Rede vom Fluch des Rabbis um, denn das Hochhaus wurde am Ort der gesprengten Großen Synagoge gebaut. Ab 1971 arbeitete man an einer modernisierten Version weiter, aber 1980 kam es zu einem erneuten Bauabbruch. Schließlich begann man ab 1986 die alte Fassade durch eine verspiegelte Glasfassade zu ersetzen und es gelang nach 26 Jahren die Fertigstellung im Jahr 1991.

Da ging es selbst mit dem Bau der Cheops – Pyramide etwas schneller: Nur ca. 20 Jahre Bauzeit werden geschätzt, knapp 6 Jahre mehr als beim Berliner Flughafen mit nur 14 Jahren Bauzeit. Der Suezkanal wurde nach 10 Jahren, die Elbphilharmonie in Hamburg nach 9 Jahren und der Haitian Center Tower 2 in China nach 5 Jahren fertiggestellt, bei den vier Letztgenannten trotz modernster Technik.

Der Beschluss zum Neubau der Evangelischen Kirche in Witten-Bommern erging im Mai 1892, die Grundsteinlegung erfolgte im August 1892. Zwischen Grundsteinlegung und Einweihung  am 15. November 1893 vergingen - sage und schreibe - nur 15 Monate. Im November 2018 feierte unsere Kirche (nach einer gründlichen Sanierung) ihr 125-jähriges Bestehen.

 

Taufbecken, Taufstein, Taufschale, Taufbrunnen

In jeder christlichen Kirche gibt es ein Taufbecken. Darin befindet sich bei Tauffeiern das Wasser, mit dem der Täufling drei Mal leicht übergossen oder beträufelt wird. In der Anfangszeit der Kirche wurden die Täuflinge nur in der Feier der Osternacht getauft, um das Sterben des alten Menschen und das Auferstehen des neuen mit Jesus Christus zu verdeutlichen.

Mit der Taufe wird der gläubige Christ in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen. Daher befand sich früher (aber auch heute noch vereinzelt) das Taufbecken im Eingangsbereich einer Kirche, in einer eigenen Taufkapelle oder insbesondere in der Frühzeit des Christentums in einem eigenen Bau, dem Baptisterium in dem sich ein von fließendem (»lebendigen«) Wasser gespeistes Becken befand.

(Erinnern Sie sich an die biblische Jahreslosung für 2018? "Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst", Offenbarung 21,6).

Taufbecken sind fast immer große Gefäße aus Stein, Holz mit Metalleisatz oder Vollmetall (Bronze etc.). In der frühen Kirche war die Taufe durch Untertauchen üblich, ebenso wie es heutzutage bei Baptisten und einigen anderen Freikirchen der Fall ist. Dafür benötigt man ein größeres Becken, in dem mindestens 2 erwachsene Personen Platz finden. Später wurde die Kindertaufe üblich. Ältere Taufbecken sind so groß, dass ein Kleinkind darin untergetaucht werden konnte. Sie wurden teils aus Stein gearbeitet, woraus sich der Name Taufstein ableitet. Später ging man in Westeuropa zur Taufe durch Übergießen oder Besprengen mit Wasser über. Dafür reichten dann kleinere Wasserschalen aus. Diese wurden entweder in eine Vertiefung des Taufsteins gestellt oder waren auch transportierbar, so dass sie bei Taufen im Geburtshaus mitgenommen werden konnten.

Übrigens: Der älteste Taufstein einer Wittener Kirche stammt aus der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gedächtniskirche. Er wurde 1892, gestiftet von einigen Gemeindemitgliedern, aufgestellt und konnte neben anderen Dingen aus den Trümmern gerettet werden. Seit 1999 steht er nun in der Johanniskirche unter der Orgelempore. Für die Ev. Kirche in Heven (Steinhügel) entwarf der Rüttenscheider Bildhauer Goldkuhle ein Taufbecken aus Holz, ein eher seltenes Material, das aber auch für das Taufbecken unserer Kirche auf dem Berg lange Jahre benutzt wurde.

Sachlich und modern präsentiert sich die gesamte Innengestaltung einschließlich des Taufbeckens der Wittener Martin Luther Kirche. Vor den Stufen des Altarraumes fast unauffällig, bei genauerem Hinsehen jedoch markant und beindruckend in seiner schlichten Gestaltung: ein Taufbecken aus Acrylglas.

Hier in der Ev. Kirche Bommern, liegt seit 2014 auf der Fläche vor dem Chorraum ein dicker, sandfarbener Teppich. In sieben Sprachen ist in einem großen Rund der Taufspruch eingewebt. „Denn siehe, ich bin bei Euch . . .“ In der Mitte dieses Kreises steht das neue Taufbecken. Das schwere, massive Prachtstück in der Form eines klassischen Taufsteins funkelt und glänzt, als wäre es auf purem Gold von einem armenischen Künstler geschaffen und von einem Bommeraner Geschäftsmann gespendet.

 

Kirchenfenster

Bleiglasfenster sind seit dem Hochmittelalter in Europa üblich. Zunächst wurde diese Technik nur für die Fenster der großen Kathedralen angewandt. Bleiglasfenster bilden ein wichtiges Merkmal der Gotik. Das Verfahren, eine größere Glasfläche aus kleinen Stücken zusammenzusetzen, begründet sich in der Schwierigkeit, flüssiges Glas in einer größeren Fläche so abzukühlen, dass es nicht reißt. Erst mit der Herstellung von Echtantikglas wurden auch größere Glasflächen möglich, durch Flachglas wurde dieses Problem ganz gelöst. So blieb den Glasmachern des Mittelalters nur der Weg, kleine Glasscheiben herzustellen und diese mittels Bleiruten zu verbinden und zu kitten. Durch die Verwendung unterschiedlich gefärbter Glasstücke schuf man auf diese Weise Bildfenster, die den scheinbaren Nachteil in eine eigene Kunstform umwandelten. Dabei bildet das technisch bedingte Gerüst der Bleiruten ein besonderes Gestaltungsmittel.

Für ausreichende Helligkeit in unserer Kirche in Bommern sorgen zahlreiche Fenster, davon 2 Fenster im Querschiff, 4 Fenster im Seitenschiff, 2 Fenster im Chorraum, 1 Fenster im Altarraum mit Christusfigur sowie 1 mehrteiliges Ornament über dem Eingangsportal. Weitere kleinere Fester sind auch in den Türmen vorhanden. Wer die Fenster der Kirche um 1890/1900 gestaltet hat, ist nicht bekannt.

Das farbige Glasfenster baut sich – wie oben beschrieben –  aus drei Komponenten auf: dem Glas als Träger der Farbe, der Einfassung aus Blei als dem die Stabilität gewährenden Gerüst des Fensters und der Bemalung. Die Malfarbe, das Schwarzlot, besteht zum größten Teil aus oxidiertem Eisen- oder Kupferpulver (Hammerschlag) und einem Schmelzmittel, zerstoßenem Bleiglas, das bei bereits niedrigen Temperaturen zu schmelzen beginnt, so dass sich die verflüssigte Malfarbe unlösbar mit dem erst erweichten Grundglas verbinden kann.

Kirchenfenster im Chorraum: Christus Pantokrator

Dieses Fenster ist ein dreibahniges Chorfenster mit  mehreren Dreipässen im Kopfbereich und einer zentralen Fensterrose. In der mittleren Bahn sehen wir Christus, die rechte Hand ist zum Segen mit dem Kreuzzeichen erhoben während er mit der linken Hand das Heilige Buch hält. Christus trägt einen goldenen Mantel mit einem roten Überwurf.

 

Altargemälde in der Ev. Kirche Witten-Bommern

Die gemeinsame Geschichte von Religion und Kunst ist überaus alt und mindestens genauso traditionsreich. Schon seit ewigen Zeiten halten Künstler sakrale Vorstellungen in Bildern, Fresken und Plastiken fest, um sie für ihre Generation und die Nachwelt zu verewigen. Religiösen Bildern kommt ebenso wie der Religion selbst eine große Bedeutung zu.

Adolf Gustav Döring malte um 1893 das Bild „Jesus geht auf dem Wasser“, das noch heute optisch den zentralen Mittelpunkt des Altars in der Bommeraner Kirche ausmacht.

Adolf Gustav Döring studierte an der Akademie der Künste in Berlin. Hier gehörten Carl Gustaf Hellqvist, Paul Meyerheim und Hans Meyer zu seinen Lehrern. Ab 1888 wurden seine Arbeiten auf den Großen Berliner Akademieausstellungen gezeigt. Er unternahm Reisen nach Afrika, Indien und Amerika. 1896 heiratete er Dorothea Douzette, die Tochter des Malers Louis Douzette, und verlegte den Wohnort in seine Geburtsstadt Barth. Das Paar lebte zeitweilig in der Villa Douzette. Döring verarbeitete dort die auf seinen Reisen gesammelten Motive. Beliebtes Sujet seines Schaffens war die Küstenlandschaft auf dem Darß und der Halbinsel Zingst. Mit seinem Schwiegervater arbeitete er zusammen; von dessen Gemälden schuf er Radierungen. Adolf Gustav Döring war von 1889 bis zu seinem Tod Mitglied des Vereins Berliner Künstler. In der Boddenstadt Barth wurde der Maler Gustav Adolf Döring 1938 zur letzten Ruhe gebettet – nach aufregenden Jahrzehnten als Maler.

Zum hier gezeigten Altarbild und seiner Entstehung werden folgende Geschichten erzählt:

„Maler Döring war ein Neffe von Frau Oberste Frielinghaus aus Witten, deren Familie das Bild auch stiftete. Sein Vater war Direktor der Kriegsakademie in Berlin, in deren Vestibül eine große breite Marmortreppe hinaufführte. Dieselbe fiel der Sohn als kleines Kind hinunter, verletzte sich das Rückgrat und blieb zeit seines Lebens behindert und musste sich auf zwei Krücken fortbewegte. Er fand seinen Beruf in der Malerei, studierte diese in allen vier Meisterklassen Tier-, Genre-, Porträt- und Landschaftsmalerei und sorgte mit einem Herren-Porträt auf der Akademie-Ausstellung 1888 für Aufsehen. Diese biblische Darstellung (für die Kirche in Witten-Bommern) freute ihn sehr, diese auszuführen. Er fuhr dafür extra zu seinem Studium an die See, ließ sich nachts und im Morgengrauen ans Meer fahren, um seine Skizzen zu machen. Hier fertigte er das Bild mit viel Liebe an……. Einen Schreckmoment gab es, als das Altargemälde aus Berlin 1893 in der Kirche eintraf. Es passte nicht in den äußeren Ausschnitt des Altaraufsatzes. Schreinermeister Küch fertigte einen dunkel gebeizten Rahmen an, in den nun das Bild genau passte.“

Jesus geht auf dem Wasser

......Und sofort befahl er den Jüngern, in ein Boot einzusteigen und ihm auf die andere Seite des Sees vorauszufahren während er die Menge verabschiedete. Als er die Menge verabschiedet hatte, stieg er auf einen Berg um alleine zu sein und zu beten. Er war noch dort allein, als es schon Abend geworden war. Das Schiff aber war sehr weit vom Ufer entfernt, als es von starkem Wellengang bedrängt wurde. Der Wird wehte ihnen nämlich entgegen. In der vierten Nachtwache kam er zu ihnen; er ging dabei auf dem See. Als seine Jünger ihn auf dem See gehend sahen, durchfuhr sie ein großer Schreck, denn sie dachten, dass er ein Gespenst sei. Und sie schrien vor Angst. Da sagte er zu ihnen: Habt keine Angst, ich bin es. Fürchtet euch nicht länger. Petrus aber antwortete ihm: Herr, wenn du es bist, befehle mir, zu dir auf dem Wasser zu gehen. Da sagte er: Komm! Und Petrus stieg aus dem Schiff aus, ging auf dem Wasser und kam zu Jesus. Als er aber den Wind sah, fürchtete er sich. Und er begann zu sinken und rief: Herr, rette mich! Da streckte Jesus seine Hand aus und ergriff ihn. Er sagte zu ihm: Warum hast du so schwaches Vertrauen, warum zweifelst du? Und als sie in das Boot einstiegen, lies der Sturm nach. Die aber im Boot waren, warfen sich vor ihm nieder und sagten: Du bist tatsächlich Gottes Sohn!......

Aus dem Matthäusevangelium Mt 14,22–36

 

...wird fortgesetzt!

Gemeindebüro

► HINWEIS: Zur Verlangsamung der Ausbreitung des Coronavirus öffnet das Gemeindebüro für den Publikumsverkehr nach den gängigen Corona-Regeln. Anfragen können Sie auch telefonisch oder per Mail tätigen. Wir sind bemüht, diese schnellstmöglich zu beantworten. Wir bitten, auch in Ihrem Interesse, um Verständnis.

 

Gemeindesekretärin 
Anja Hoffmann

Unsere Anschrift:
Bodenborn 48
58452 Witten
Fon 02302 - 31466
Fax 02302 - 33869
EMail 

Öffnungszeiten: 
Mo: geschlossen
Di-Fr: 09:30 - 11.30 Uhr
Do: zusätzlich  14:00 - 16:00 Uhr 

Unsere Bankverbindungen:
Sparkasse Witten
IBAN: DE44452500350002400208
BIC:   WELADED1WTN